Soforthilfe · Nach dem Verkehrsunfall

Unverschuldeter Unfall: Was tun? Die richtige Reihenfolge

Erst Menschen und Unfallstelle sichern, dann Beweise festhalten und den Fahrzeugschaden fachlich dokumentieren lassen. Diese Checkliste führt dich Schritt für Schritt durch die ersten Minuten und die anschließende Schadensabwicklung.

Fachlich überarbeitet: 25. August 2026 · Allgemeine Information, keine Rechtsberatung · Redaktionell ergänzt: 8. September 2026

Unfall nachts oder am Wochenende: Was kann bis morgen warten?

Hilfe für Verletzte, Gefahrenabwehr und die erforderlichen Feststellungen am Unfallort können nicht warten. Ein sicher abgestelltes Fahrzeug kann anschließend zu einem vereinbarten Termin begutachtet werden. Nutze bei notwendiger Bergung einen geeigneten Hilfsdienst und bewahre die Unterlagen auf. Schadaro ist kein Notruf- oder Abschleppdienst.

Welche Daten und Fotos sollte ich sichern?

Notiere Namen, Anschriften und Kennzeichen der Beteiligten sowie bekannte Versicherungsdaten. Halte auch Zeugen und ein gegebenenfalls vorhandenes polizeiliches Aktenzeichen fest. Fotografiere, soweit sicher möglich, die Übersicht der Unfallstelle und anschließend Schäden aus mehreren Entfernungen. Die gesetzlichen Pflichten zum Datenaustausch und zur Unfallaufnahme beschreibt § 34 StVO.

Die 10 Schritte nach einem Verkehrsunfall

  1. Eigenschutz und Unfallstelle sichernWarnblinker einschalten, Warnweste anziehen und Warndreieck mit ausreichendem Abstand aufstellen. Begib dich nicht selbst in Gefahr und halte dich hinter einer Leitplanke oder an einem anderen sicheren Ort auf.
  2. Verletzten helfen und 112 rufenLeiste im Rahmen deiner Möglichkeiten Erste Hilfe. Bei Verletzten, einem Brand, auslaufenden Betriebsstoffen oder einer anderen akuten Gefahr den Notruf wählen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
  3. Polizei verständigen, wenn es erforderlich istInsbesondere bei Verletzten, erheblichem Schaden, ungeklärtem Hergang, Fahrerflucht, Alkohol- oder Drogensverdacht, ausländischen Beteiligten oder wenn Personalien nicht zuverlässig festgestellt werden können. Bei einem reinen kleinen Blechschaden ist ein Polizeiruf nicht automatisch vorgeschrieben.
  4. Am Unfallort bleiben und Feststellungen ermöglichenTausche die erforderlichen Angaben aus und warte angemessen. Wer sich entfernt, ohne die gesetzlichen Pflichten zu erfüllen, riskiert strafrechtliche Folgen. In Zweifelsfällen Polizei anrufen und das weitere Vorgehen abstimmen.
  5. Unfallstelle und Schäden fotografierenErst Übersichtsaufnahmen aus mehreren Richtungen, dann Fahrzeugpositionen, Spuren, Splitter, Verkehrszeichen, Kennzeichen und alle Schäden im Detail fotografieren. Fotos nur aufnehmen, wenn die Verkehrslage dies sicher zulässt.
  6. Daten und Zeugen festhaltenName, Anschrift, Kennzeichen, Halter- und Versicherungsdaten der Beteiligten sowie Kontaktdaten unabhängiger Zeugen notieren. Zeitpunkt, Ort, Wetter und Fahrtrichtung festhalten. Kein vorschnelles Schuldanerkenntnis unterschreiben.
  7. Fahrbereitschaft nicht erratenBei Schäden an Rädern, Lenkung, Bremsen, Beleuchtung, Airbags, Sensoren oder bei Flüssigkeitsaustritt nicht weiterfahren. Bei Unsicherheit Pannen- oder Abschleppdienst hinzuziehen und den Abstellort dokumentieren.
  8. Schaden vor Reparatur fachlich sichernBei einem nicht eindeutig kleinen Bagatellschaden einen qualifizierten, unabhängigen Kfz-Sachverständigen eigener Wahl beauftragen. Er dokumentiert Schadenumfang, Reparaturweg, Fahrzeugwerte, Ausfallzeit und mögliche Wertminderung.
  9. Rechtliche Fragen früh klärenEin Verkehrsrechtsanwalt ist besonders sinnvoll bei Verletzungen, streitiger Haftung, Mithaftung, Kürzungen, Totalschaden, Mietwagen, Leasing oder Finanzierung. Technische Begutachtung und rechtliche Vertretung haben unterschiedliche Aufgaben.
  10. Erst mit vollständiger Grundlage entscheidenNach Gutachten und rechtlicher Einordnung kannst du fundiert über Reparatur, Ersatzbeschaffung, Mietwagen, Nutzungsausfall oder eine zulässige fiktive Abrechnung entscheiden. Verzögerungen und zusätzliche Kosten immer nachvollziehbar dokumentieren.

Welche Unterlagen helfen dem Sachverständigen?

Fahrzeug und Schaden

Zulassungsbescheinigung, aktueller Kilometerstand, Ausstattung, bekannte Vor- und Altschäden sowie vorhandene Unfallfotos.

Unfall und Beteiligte

Datum, Ort, gegnerisches Kennzeichen, Halter- und Versicherungsdaten, Unfallskizze, Zeugen und gegebenenfalls polizeiliches Aktenzeichen.

Abschleppen und Standort

Abschleppbeleg, aktueller Fahrzeugstandort, Ansprechpartner und Information, ob das Fahrzeug noch fahrbereit oder bereits zerlegt ist.

Besondere Verhältnisse

Leasing, Finanzierung, Vorsteuerabzugsberechtigung, gewerbliche Nutzung und konkrete Mobilitätsbedürfnisse offen angeben.

Diese Fehler erschweren die Regulierung

Zu früh handeln

  • Reparatur oder Demontage vor ausreichender Beweissicherung
  • Ungeprüfte Abfindungs- oder Abtretungserklärungen unterschreiben
  • Nur auf eine telefonische Einschätzung vertrauen

Wichtige Angaben weglassen

  • Vor- und Altschäden verschweigen
  • Zeugen und Unfallfotos nicht sichern
  • Stand-, Mietwagen- oder Abschleppkosten ohne Belege lassen

Häufige Sofortfragen

Darf ich die Fahrzeuge nach dem Unfall bewegen?

Bei einem geringfügigen Schaden soll der Verkehr nicht unnötig behindert werden. Dokumentiere Positionen und Spuren zuerst, soweit dies sicher möglich ist, und räume anschließend die Fahrbahn. Bei Verletzten, unklarer Gefahrenlage oder schwerem Unfall den Anweisungen von Polizei und Rettungskräften folgen.

Muss die Polizei bei jedem Unfall kommen?

Nein. Bei einem kleinen Sachschaden ohne Streit können Beteiligte die erforderlichen Daten grundsätzlich selbst austauschen. Bei Verletzten, erheblichem Schaden, Fahrerflucht, unklaren Personalien oder Verdacht auf Alkohol oder Drogen sollte die Polizei verständigt werden.

Darf die gegnerische Versicherung den Gutachter bestimmen?

Sie darf den Schaden prüfen. Bei einem erforderlichen Haftpflichtschadengutachten kannst du als Geschädigter grundsätzlich einen qualifizierten Sachverständigen eigener Wahl beauftragen. Ein zweites Gutachten kann dagegen ein Kostenrisiko auslösen.

Nächster Schritt

Schaden kurz beschreiben und Hilfe finden.

Der Unfallcheck führt dich in rund 60 Sekunden zur passenden Anfrage.

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Offizielle Grundlagen

Hinweis: Die Checkliste kann die konkrete Unfallaufnahme, medizinische Hilfe, Fahrzeugbesichtigung oder individuelle Rechtsberatung nicht ersetzen.